Evanglisch - Lutherische Kirchgemeinde Roßdorf
Heimatgeschichte der Dörfer im Rosagrund

Roßdorf Eckardts
"Heimatgeschichte der Dörfer im Rosagrund"
Roßdorf
Der Kreis Schmalkalden zählte zu den ältesten Siedlungsgebieten Südthüringens. Entscheidend für die Erschließung dieses Raumes durch die Menschen war die Besiedlung durch die Franken nach der Niederlage der Thüringer gegen die fränkischen Eroberer im Jahre 531. Zu diesem Siedlungsgebiet gehörten auch die Rhön-Dörfer Rosa, Georgenzell, Eckardts und Roßdorf.
Zum erstenmal wird Roßdorf in fuldarischen Schenkungsurkunden zur Zeit Karls des Großen bezeugt. Man kann davon ausgehen, dass zu dieser Zeit sich bereits schon ein fester Herrensitz in "villa Rosthorphe in pago Tolliveldum" (Dorf Roßdorf im Gau Tullifeld) befunden hat. Weiter ist in den Zeugnissen von einem Rickhelm (Wilhelm?) und seiner Frau Irménrat die Rede, die 950 in die "Roßdorfer marcu" kamen. Die Roßdorfer Mark reichte etwa von Wiesenthal bis Eckardts und von Urnshausen bis Georgenzell, wobei Rosa, Bernshausen und einige Wüstungen miteingeschlossen waren.
Im 12. Jahrhundert finden wir die früheste Erwähnung einer befestigten Anlage in Roßdorf. In einem Bericht wird über kriegerische Auseinandersetzungen des Landgrafen von Thüringen mit dem Stift Hersfeld berichtet, wobei es hier um den "Brückenkopf" Breitungen und die Paßsperre Schloß Roßdorf ging. Die Besonderheit bestand darin, dass man von hier aus zwei sogenannte "Hohe Straßen" kontrollieren konnte, die von Westen nach Osten, genauer von Hessen nach Thüringen führten.
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts kam der Besitz des Roßdorfer Castrum (wahrscheinlich handelte es sich um eine `Wasserburg') in die Hände der Grafen von Henneberg.
1418 wurde Reinhard von Eschwege zu Au in Hessen mit der hennebergischen Hälfte von Schloß und Dorf Roßdorf belehnt.
1458 wurde ein "Burgfrieden" zwischen dem Geschlecht von Eschwege und dem hennebergischen Amtmann Heinz von Wechmar geschlossen, der eine dauerhafte friedliche Nachbarschaft mit einer gleichzeitig dauernden "Ganerbschaft", d.h. gemeinsame Ortsherrschaft beinhaltet. Anfänglich wohnten beide Adelsgeschlechter auf dem Castrum, später wurde das Schloßgut Roßdorf geteilt und zwei besondere Höfe (Herrenhäuser, Schlösser) angelegt.
1525 erhoben sich beim Bauernkrieg auch die Bauern von Roßdorf und vertrieben die beiden Ganerben, die aber nach der Niederwerfung des Aufstandes alsbald von ihrem Lehnsherrn Wilhelm VI. von Henneberg wieder eingesetzt wurden. Für die Bauern bedeutete es eine riesige Belastung, um das Sühnegeld der Fürsten bei ihren Rachefeldzügen bezahlen zu können. Wo aber nichts mehr zu erbeuten war, wie z.B. im Dorf Lückershausen - zwischen Eckardts, Schwarzbach und Hümpfershausen -, wurde der Ort dem Erdboden gleichgemacht, zumal sich die dortigen Bauern bei der Zerstörung des Klosters Georgenzell besonders hervorgetan hatten.
1560 erhielten Reinhard von Eschwege und Claus von Wechmar das erbliche Vorschlagsrecht für die Besetzung der Roßdorfer Pfarrstelle.
Ohne Erlaubnis der Henneberger hatten die Ganerben auch die Reformation eingeführt. Sie mußten sich später verpflichten, keine Änderungen in den Kirchengebräuchen ohne vorherige Absprache mit dem Landesherrn vorzunehmen. Mit der Reformation fiel die kirchliche Oberhoheit an die Grafen von Henneberg.
Nach deren Aussterben (1583) kam es wiederholt wegen kirchlicher Angelegenheiten zwischen der Landesherrschaft Haus Sachsen und den adligen Ganerben zu heftigen Auseinandersetzungen, wobei die sächsische Regierung auch mit Waffengewalt einschreiten mußte.
1594 erhält Roßdorf die niedrige Gerichtsbarkeit.
1710 erhielten die Ganerben von Wechmar und v. Geyso (Nachfolger der v. Eschweges) für 4000 Reichstaler alle weltlichen und geistlichen landesherrlichen Rechte (Patronatsrechte).
Roßdorf hatte von dieser Aufwertung auch profitiert. Vom reinen Agrardorf entwickelte sich das Dorf zum Marktflecken, d.h. es durften jährlich vier Jahrmärkte in Roßdorf abgehalten werden. Auch ein Apotheker und ein Arzt ließen sich nieder.
1803 wurde die Reichsritterschaft aufgelöst. Der Marktflecken Roßdorf fiel somit zurück an Sachsen. Sonderrechte der Reichsritterschaft (wozu seit 1577 auch die Ganerben gehörten) wurden beseitigt.
1881 verkauften die v. Geyso ihr Gut an den Industriellen Wenzel von Alexisbad, der es 1896 an den preußischen Minister für Handel und Gewerbe Dr. phil. et jur. h.c. Hans Hermann v. Berlepsch verkaufte, der aber keine Sonderrechte mehr besaß. Die fränkische Linie der v. Wechmars starb Ende des letzten Jahrhunderts aus.
1934 verließ auch dieses Geschlecht den Ort wieder. Das Gut wurde verkauft, das Schloß blieb in der Familie der v. Berlepsch'.
Eckardts
Die Papsturkunde von 1183 nennt eine villa Eckeriches (des Eckerich bedeutet Schwertgewaltigen). In dieser Papsturkunde werden die Besitzungen des Klosters Frauenbreitungen aufgezählt und bestätigt, wozu auch Eckardts gehörte.
Eckardts mußte für das Hennebergische Geschlecht ein wertvoller Besitz gewesen sein, weil aus den Urkunden hervorgeht, daß die Gräfin Elisabeth bei der Verpfändung des Schlosses und Gerichts Frankenberg an den Ritter Berthold Schenk (Henneb.Urk.III, Nr.42) sich das Dorf zu den Eckerichs ausdrücklich als Eigentum vorbehielt (1360).
Im Mittelalter mußten die Bauern aus Eckardts, Friedelshausen, Hümpfershausen und Schwarzbach für den Henneberger Adel Frohndienste leisten.
Eckardts war bis in die neuere Geschichte ein typisches Bauerndorf mit einigen Handwerksbetrieben.
Die Kirchengemeinde Eckardts bildete bis zu Beginn der 70er Jahre mit Zillbach eine selbständige Kirchengemeinde. Danach wurde sie aufgeteilt, und Eckardts wird seitdem als vakante Pfarrstelle von Roßdorf mitbetreut.
Die Kirche steht auf der höchsten Stelle im Dorf und ist seit ihrer Restaurierung zu einer interessanten, bauhistorischen (Entstehung um 1600) Sehenswürdigkeit für Touristen geworden. Gleiches gilt für die Kirchen in Roßdorf und Rosa.
Rosa
Rosa, in heimischer Mundart "Roos" am gleichnamigen Bach, im Gebiet der vorderen Rhön gelegen, wurde erstmals am 15.4.825 in Verbindung mit einer Schenkung des Sigiloug an das Kloster Fulda als "Rosala" erwähnt.
Das Dorf Rosa war ehemals hennebergischer Besitz und wurde wiederholt aus Geldnot entäußert.
1317 wurde Berthold v. Wildprechtroda damit belehnt, der auch der Gründer des nahen Klosters Georgenzell (Henneb.Urk.II, 104) sein soll. In Rosa bestand schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts eine kleine Kirche, über die das Adelsgeschlecht von Wildprechtroda das Patronat ausübte. Zum kirchlichen "Rösleinverband" gehörten damals noch die Dörfer Eckardts, Bernshausen, Zillbach, Helmers und Georgenzell.
1326 wurde das Patronatsrecht an das Kloster Georgenzell abgetreten.Die Kirche Rosa hat ebenso eine interessante Bauarchitektur, die höchstwahrscheinlich aus Steinen des Klosters Georgenzell erbaut wurde. Einzelne Teile des Gebäudes deuten auf verschiedene Bauzeiten hin. Durch Baufälligkeit wurde diese Kirche ausgebessert (renoviert) und durch einen Anbau an der Südseite der Kirche erweitert.
Georgenzell
Zu den zwei geistlichen Stiftungen im Sündthüringer Raum gehörte das mitten im Rosatal gelegene Kloster Georgenzell.
Nach einer Legende war es ein Graf Wilhelm von Henneberg und dazu ein Edelfreier Berthold von Wilprechtroda, die im Jahre 966 das Kloster gegründet haben sollen. Die Henneberger Grafen tauchten erstmals in Urkunden 1049 und 1057 auf, als die Brüder Pappo und Godebold von Henneberg Schenkungen an das Kloster Fulda bezeugen.Die Herrscher von Wildprechtroda tauchten in einer Urkunde 1316 auf, in der das
Kloster "Cella sancti, Georgie in Franconia erwähnt wurde. Dieses Kloster hatte noch mehrere Besitzer in Folge. Sein Ende fand das Kloster mit dem Bauernkrieg 1525. Viele Bewohner mußten dabei sterben.
Seit 1322 hieß auch das Dorf Georgenzell (vormals Witzigendorf). Nach der Säkularisation des Klosters wurde die Pfarrei Georgenzell 1531 von Wilhelm VI. von Henneberg-Schleusingen der Pfarrei Rosa unterstellt, während vordem Rosa zu Georgenzell gehörte.

Die Außenfassade der Kirche Eckardts nach der Restaurierung 2004













