DIE KIRCHEN ZU KALTENNORDHEIM
Die Kilianskirche
Auf einem kleinen Hügel, vom Friedhof umgeben, befindet sich die Gottesackerkirche.
Lange Zeit war sie die einzige Kirche in Kaltennordheim.
Sie wurde im 14. Jahrhundert als Nachfolgerin einer Holzkirche errichtet und dem Missionar Kilian geweiht.
1568 wurde das Gotteshaus baulich gründlich umgekrempelt und fiel im 30jährigen Krieg den raubenden Horden Isolanis zum Opfer. Nur wenige architektonische Formen deuten noch heute auf die mitteralterliche Herkunft der Friedhofskirche: ein schmales spitzbogiges Fenster in der Nordwand sowie ein kreisrundes Bogenfenster im Ostgiebel. Die Rundung ist mit sechs Kreisen besetzt, welche auf die spätromatische Zeit hindeuten. Ein Stein von der Form eines halben Rades, der am Westgiebel aus der Mauer herausragt, deutet ebenfalls auf diese Zeit hin. In den Steinfußboden des Gotteshauses sind verschiedene alte Grabsteine integriert, die zumeist bis zur Unkenntlichkeit abgetreten sind. Einer der Steine stammt aus dem Jahre 1611; ein weiterer ( mit dem Wappen einer großen Engelsfigur ) aus der Zeit des Spätbarocks. Beide Steine liegen nahe der spitzbögigen Tür ( Eingang zum Kirchenschiff). Auch diese Kirche fiel Isolani zum Opfer, dann schweigt die Chronik über sie. Erst 1719 wird erwähnt, dass das Bauwerk bei einem Stadtbrannd schwer beschädigt wurde, aber 1729 mit geringen Unkosten wieder aufgebaut werden konnte, da das Mauerwerk erhalten blieb.
Bis 1884 verfiel die Kirche und wurde wieder aufgebaut. Knapp 100 Jahre später wurde das Gotteshaus wieder renoviert.
1890 wurde eine neue Orgel angeschafft, welche 1200 Mark kostete. Die erste Reparatur an diesem Instrument ist bereits 1903 verzeichnet, da die Mäuse die Ventile zernagt hatten.
1912 beschloß der Gemeindekirchenrat die Orgel grundhaft sanieren zu lassen : Kosten: 495 Mark
1947 mußte das schadhaft gewordene Dach repariert werden
1964 erhielt die Kirche einen Anschluß an das elektrische Netz
1980 wurden die Dachrinnen erneuert.
1981 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten: die Wände der Kirche wurden trockengelegt, der schadhafte Putz erneuert und am Gestühl ein riesiger Eichenbalken entfernt, der sich als Stolperstelle erwies. Im Innenraum wurden umfangreiche Malerarbeiten ausgeführt.
1983 wurden die Emporen mit Lutherrosen verziert. Die ursprüngliche naturholzfarbene Orgel wurde bunt bemalt und vergoldet.
Die evangelische Kirchgemeinde nutzt die auf dem Friedhof stehende Kilianskirche nur noch für Trauerfeiern und den Gottesdienst am Totensonntag.
Im Sommerhalbjahr hält die katholische Gemeinde dort ihre sonntäglichen Gottesdienste.
Die Nikolaikirche
1597 erhielt die Friedhofskirche eine "große Schwester". Da den Gläubigen den Weg auf den Hügel außerhalb des Ortes zu weit war, errichteten sie innerhalb der Stadt eine zweite, größere Kirche.
Diese war zunächst dem Heiligen Georg geweiht, wechselte später (nach 1821 laut Chronik) jedoch den Schutzpatron und trägt heute noch den Namen des Bischofs Nikolaus.
Der Turm stand an der Ostseite der Kirche, dicht an der Felda. In seinem Inneren befand sich der Altarrraum. Fenster und Gesimse zeigten spätgotische Formen.
Im Dreißigjährigen Krieg wüteten die Kroaten unter Isolani in Kaltennordheim und zerstörten 1634 auch die Stadtkirche.
1666 konnte erst wieder das Gotteshaus aufgebaut werden.
1683 Erwerb eines gebrauchten Orgelwerkes aus Meiningen
1702 Kauf einer neuen Orgel eines Orgelbaumeisters aus Tann
1821 Einbau zweier Emporen und größerer Fenster
1828 wurde die Stadtkirche erstmalig in der Chronik als Nikolaikirche erwähnt
1858 am 21. und 24. Juni wurde Kaltennordheim durch heftige Brände heimgesucht, dabei brannte auch die Nikolaikirche aus
1859 am 24. März erhielten die Kaltennordheimer eine neue Glocke, gegossen in Apolda für die ausgebrannte Kirche
1862 Einweihung des neu errichteten Pfarrhauses und der Schule
1865 - 1867 Beginn des Wiederaufbaues des Gotteshauses
Die Kirche ist damals so groß gebaut worden (mit zwei Emporen), weil Kaltennordheim zu diesem Zeitpunkt Garnisonsstadt war.
Der Baustil enthält Elemente mehrer klassischer Baustil-Epochen, beispielsweise Romantik und Gotik.
1866 Festlegung des Turmbaues auf die Westseite des neuen Kirchenschiffes.
Als die Turmuhr angeschafft wurde, entschloß man sich, zunächst nur an der West-, Süd- und Ostseite des Turmes Ziffernblätter anzubringen. Das vierte Ziffernblatt wurde erst 1902 eingebaut. Das Uhrwerk hatte man gebraucht gekauft - es hatte bereits 100 Jahre lang in Weimar seinen Dienst getan.
1867 Einweihung der neuen Nikolaikirche mit einem Festgottesdienst
1867 Stiftung einer neuen Orgel durch Großherzogin Sophie von Sachsen, welche 1868 von Carl und August Peternell aus Seligenthal erbaut, und bereits mehrmals von Orgelbauer Böhm aus Gotha überholt wurde.
1867 Stiftung des Taufsteins
Dem 1. Weltkrieg fielen die Bronzeglocken zum Opfer, nur die mittlere Glocke blieb damals hängen und rief als alleinige zu kirchlichen Handlungen.
1922 Anschaffung neuer Glocken
1961 Einbau einer elektrischen Läuteanlage, welche 1986 generalüberholt wurde
1934 Stiftung der neuen Glasfenster im Altarraum von Pfarrer Friedrich Wilhelm Armin Bach
Die drei Fenster bringen die Grundtatsachen des christlichen Glaubens zur Darstellung.
Das linke Fenster stellt die Weihnachtsgeschichte dar: das Jesuskind in der Krippe, Maria, Josef, den Stall, Ochs und Esel, die Hirten sowie die himmlischen Heerscharen.
Das mittlere Fenster zeigt die Frau am Ostermorgen in der Grabhöhle Jesu. Ein Lamm mit Fahne symbolisiert den Sieg Christi.
Die Ausgießung des Heiligen Geistes auf wartende Menschen wird schließlich im rechten Fenster dargestellt. Die Gründung der urchristlichen Gemeinden wird hierdurch dokumentiert.
Die Glasfenster in der Taufkapelle stammen dagegen aus den 60er Jahren und wurden in einer Erfurter Werkstatt gefertigt.
1946 mußte der Turmkopf abgenommen und ausgebessert werden
1963 Einbau eines Präzisionsuhrwerkes mit elektrischem Aufzug
1964 wurde das Kirchendach erneuert
1965 Eindeckung des Turmes
1967/68 Umbau der Kirche: Entfernung der Emporen, Versetzung der Orgel von der oberen zur unteren Empore,
Sanierung des Dachstuhls, Einziehung der Decke,
1970 Einweihung der renovierten Kirche am 25. Oktober
1978 Anschaffung einer Lautsprecheranlage
1990 Einweihung der Infrarot-Bankstrahlheizung (Geschenk der Gemeinde Münnerstadt)
1994 Erneuerung des Kirchendaches, Abtragung des alten Schlotes, Installation einer Blitzschutzanlage
2006 Sperrung des Glockengeläutes wegen akuter Absturzgefahr und Materialermüdung
Beschluss: Anschaffung neuer Bronzeglocken, Umbau und Sanierung des Glockenstuhls
Kosten: 60.000 Euro
Finanzierung: durch Spenden der Kaltennordheimer Bürger, der Jagdgenossenschaft,
des Gewerbevereines, der Sparkasse, der Stadt Kaltennnordheim,
der Familie eines nach Amerika Ausgewanderten usw.
durch Baumittel vom Kreiskirchenamt,
durch Zuwendung aus Überschüssen der Staatslotterie des Thüringer
Kultusministeriums,
durch Eigenmittel
2007 Eifeler Glockengießerei Mark in Brockenscheid wurde mit dem Glockenguß beauftragt
Beschreibung der neuen Bronzeglocken mit Inschriften
GLOCKE 1 ST. NIKOLAI Auferstehungsglocke
Ton g'; 1030 mm Durchmesser; ca. 590 kg
Text oben und unten umlaufend in 2 Rillen:
IN DER WELT HABT IHR ANGST
Vorne Bild: Motiv Auferstandener
Text unten umlaufend in 2 Rillen:
ABER SEID GETROST, ICH HABE DIE WELT ÜBERWUNDEN.
GLOCKE 2 ST. ELISABETH Gebetsglocke
Ton b'; 860 mm Durchmesser; ca. 380 kg
Text oben und unten umlaufend in 2 Rillen:
NUN BLEIBEN GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG, DIESE DREI
Vorne Bild: Motiv Brot, Kelch und Rosen
Text unten umlaufend in 2 Rillen:
ABER DIE LIEBE IST DIE GRÖSSTE UNTER IHNEN.
GLOCKE 3 ST. KILIAN Taufglocke
Ton c'; 780 mm Durchmesser; ca. 290 kg
Text oben und unten umlaufend in 2 Rillen:
SCHÖPFET WASSER AUS DEN HEILSBRUNNEN,
Vorne Bild: Motiv Taufe
Text unten umlaufend in 2 Rillen:
MACHET KUND UNTER DEN VÖLKERN SEIN TUN.
PFARRER UND DEKANE IN KALTENNORDHEIM SEIT DER REFORMATION
1552 - 1593 Johannes Heller
1593 - 1615 Magister Wolfgang Brey
1615 - 1626 Magister Caspar Halbich
1626 - 1634 Magister Johannes Friederici
1634 - 1655 Johann Friedrich Hoffmann
1655 - 1660 Magister Johann Michael Wiber
1661 - 1682 Magister Johannes Pfündel
1682 - 1690 Tobias Wentzel
1690 - 1694 Magister Johannes Laubinger
1694 - 1697 Kaspar Johann Weidenhain
1697 - 1708 Johann Siegmund Coburger
1708 - 1730 Johann Konrad Schröter
1730 - 1746 Johann Dietrich Neumeister
1738 - 1740 Johann Wilhelm Müller
1740 - 1743 Johann Samuel Michael Schröter
1743 - 1746 Johann Philipp Lasch
1747 - 1765 Johann Martin Dünckler
1765 - 1771 Magister Johann Christian Heinrich
1771 - 1799 Magister Johann Georg Ortmann, Superintendent
1800 - 1807 Christian Ernst Genssler
1807 - 1828 Karl Wilhelm Briegleb
1828 - 1856 Wilhelm Bernhard Geilfuß
1857 - 1865 Dr. Wilhelm Christoph Friedrich Eudemig
1866 - 1870 Dr. Wilhelm Eduard Schwabe
1870 - 1887 Karl Ludwig Metzner
1878 - 1891 Karl August Franz Stier
1891 - 1899 Max Heinrich Reinhard
1900 - 1909 D. Theol. H.C. Paul Nieße
1913 - 1933 Friedrich Albert Otto Deichmüller
1933 - 1937 Oberpfarrer Erich Fromm
1937 - 1938 Helmut Artur Rausche, Hilfspfarrer
1938 - 1939 Hans Hofmann, Oberpfarrer
1939 - 1940 Hans Schleifenheimer
1940 Edwin König, Vikar
1940 - 1943 Christian Ludwig Friedrich Munz
1943 - 1946 Kurt Wilhelm Krause
1947 - 1975 Gustav August Hohmann
1976 - 1995 Manfred Sachs
1995 - 2000 Christa Weier
2001 - 2002 Paul Gerhard Achenbach
2003 - heute Lars Ophagen