Kreissynode am Freitag, den 07. Oktober 2011 in Bad Salzungen

Bericht des Superintendenten Dr. Ulrich Lieberknecht vor der Kreissynode
des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Bad Salzungen - Dermbach
1. Einleitung
2. Strukturplanung
3. Finanzsystem
4. Rückblick
5. Geistliches
6. Schluss
Liebe Schwestern und Brüder!
1.
„Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“. So zitiert der Apostel des Hebräerbriefes den 95.Psalm (Hebr 3, 7-8).
„Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“. So legt Paulus den Propheten Jesaja aus (2.Kor 6,2).
Immer muss es uns um dieses „heute“, um dieses „jetzt“ zu tun sein: heute – in dieser Christenlehrestunde, jetzt – in dieser Beerdigungspredigt, heute – in dieser GKR-Andacht, jetzt – in dieser Chorprobe. Wir dürfen nicht der Gefahr erliegen, uns auf Zustände zu fixieren, die erst noch geschaffen werden müssen: „Wenn erst mal die Strukturveränderungen abgearbeitet sind …, wenn wir dann mal das neue Finanzsystem souverän handhaben können…, wenn wir erst unsere Gebäude saniert haben“ … Sondern all unsere Aufmerksamkeit und Sorgfalt in den verschiedenen Diensten muss es sein, uns heute offenzuhalten für Gottes guten Geist und jetzt das Geschenk seiner Gegenwart zu entdecken. Dass wir uns heute einladend für Außenstehende erweisen und jetzt die Gelegenheit nicht versäumen, nicht Getaufte oder Ausgetretene anzurühren – auch das muss immer ein Grundton unseres Dienstes sein. Manchmal gibt es ja dafür auch besonders gute Gelegenheiten. Ich denke da an die Kirmes-Feiern in unseren Dörfern und an die Feiern der Jubelkonfirmation.
Wir haben im Kirchenkreis relativ große Veränderungs-Projekte vor uns. Die Einführung des neuen Finanzsystems und die Weiterführung der angedachten Strukturreform werden uns Kraft kosten. Aber all das wäre umsonst, wenn wir aus dem Blick verlören, was Gottes Wort uns verheißt: dass unser HERR sein Reich mitten unter uns baut und dass seine Gelegenheiten, uns in seinem Wort als der Lebendige zu begegnen, immer heute und jetzt sind – in jedem Gottesdienst, bei jedem Hausbesuch, und bei jeder Dienstberatung.
2.
Einen Schwerpunkt im Planungshandeln dieses Jahres bildeten zweifellos die acht Regionalkonferenzen mit unseren hauptamtlich Mitarbeitenden zur Strukturreform. Darüber sind Sie alle in Anschreiben aus dem Innerkirchlichen Ausschuss ausführlich informiert worden. Und der Diskussionsprozess ist damit erst eröffnet. In die Überlegungen zu den nächsten Schritten werden wir heute durch den IKA mit hineingenommen. Besonders danken möchte ich hier Thomas und Eva Brüderle und Lars Ophagen, die bei allen 8 Treffen die Moderation übernommen haben. An dieser Stelle ist es mir wichtig, noch einmal hervorzuheben, was schon in meinem Anschreiben stand:
„Die Phantasie und die Einsatzfreude aller Kirchenältesten und aller Mitarbeitenden wird gebraucht, wenn es um folgende Fragen geht: Wie können wir in unserer Gemeinde den Dienst der hauptamtlichen Mitarbeiter mit dem der ehrenamtlichen ergänzen? Wie können wir alternative Finanzierungsquellen auftun? Und wie können wir in unserem Bereich den derzeit eher negativen Trend bei den Gemeindegliederzahlen umkehren, also neue Menschen für die Gemeinde gewinnen? In diesem Sinne bitte ich Sie alle um Ihr Mitdenken und Mitarbeiten.“
Im Berichtszeitraum (seit Oktober 2010) konnten im Kirchenkreis zwei weitere Pfarrstellen wiederbesetzt werden: die Pfarrstelle Fischbach mit Pastorin Elke Krtschil und die Pfarrstelle Pferdsdorf mit Pastorin Antje Gerlach. Wir begrüßen diese beiden Schwestern herzlich in unserer Mitte. Ich halte es nach wie vor für richtig, dass wir trotz mancher Bedenken solche „kleinen“ Pfarrstellen wieder besetzt haben. Mit welchem Recht sollten wir den Gemeinden diese Möglichkeit verwehren, um im Blick auf künftige Veränderungen von Pfarrbereichen schon Tatsachen zu schaffen?
Zu den anderen derzeit noch vakanten Stellen: Ob es zu einer Wiederbesetzung von Oberweid kommen wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Am Pfarrhaus in Möhra wird nun endlich gebaut. So wächst die Hoffnung, dass wir dort in absehbarer Zeit auch eine/n Pfarrer/in haben werden. An dieser Stelle möchte ich den beiden Vakanzverwaltern, Pfarrer Spekker (Oberweid) und Pfarrer Endter (Möhra) herzlich für ihren zusätzlichen Dienst danken, der ja auch das Vorantreiben und Planen der Bauarbeiten umfasst.
Im Blick auf die frühere halbe „Sup-Pfarrstelle“ Bad Salzungen I wird es heute einen Beschlussantrag des GKR Bad Salzungen geben.
Leider müssen wir seit fast einem halben Jahr mit einer vakanzähnlichen Situation in Kaltensundheim leben. Die schwere Krankheit von Bruder Bsufka liegt uns allen, die wir darum wissen, auf der Seele. Wir wünschen und erbitten für Thomas und seine Familie, aber auch für die betroffenen Gemeinden, viel Geduld und Gottvertrauen, diese schwierige Zeit zu überstehen. Auch hier danke ich den Mitarbeiter/innen aus der Nachbarschaft und aus dem weiteren Kirchenkreis für ihre Bereitschaft, bei den Vertretungsdiensten zu helfen.
3.
Insgesamt in der EKM und natürlich auch in unserem Kirchenkreis bildet die Umsetzung des neuen Finanzsystems derzeit einen Schwerpunkt. Auf allen Ebenen unserer Kirche, für die Mitarbeitenden und die GKR bedeutet dies einen Lernprozess, der gerade erst begonnen hat. Begriffe wie „Strukturfonds“, „Kirchenkreismittel“ oder „Baulastfonds“ sind für uns neu. Zwar sind die gesetzlichen Grundlagen jetzt gelegt, und wer sich etwas mit der Materie beschäftigt, hat das System auch bald einigermaßen durchschaut. Wie sich aber die einzelnen Bestimmungen konkret auf Kirchenkreis und Gemeinden auswirken werden, dazu fehlt uns noch die Erfahrung. Auch werden – meist unbegründete – Befürchtungen laut, etwa in der Richtung, dass sich Gemeinden bald keine hauptamtlichen Mitarbeiter mehr werden leisten können.
Im August hat die Referentin für die Mittlere Ebene, Frau Melzig aus dem Kirchenamt in Erfurt, uns besucht und gemeinsam mit dem Kreiskirchenrat und Vertretern der Ausschüsse die Vorgaben des Finanzgesetzes erörtert. Bei den entsprechenden Proberechnungen ergab sich, dass unser Kirchenkreis insgesamt recht gut zurecht kommen dürfte und sich jedenfalls keine akute finanzielle Schieflage ergibt. Dies ist ein wichtiges Signal, das in die Gemeinden ausgehen sollte.
Aufgrund der Berechnungen der Gemeindeanteile und der von den Gemeinden einzubringenden Vergütungsanteile für die bei ihnen tätigen Mitarbeiter im Verkündigungsdienst hat der Kreiskirchenrat beschlossen, im Jahr 2012 hier alle Defizite auszugleichen (ohne Antrag). Inwieweit in Zukunft dann der Strukturfonds auch als Steuerungsinstrument für den Kirchenkreis genutzt werden kann, muss sich in der Praxis der nächsten Jahre erweisen.
In der Tat sollte ein Impuls, den das Finanzgesetz einbringt, zum Nachdenken anregen. Die Frage nach der Größe einer Gemeinde bedarf auch aus theologischen Gründen einer neuen unvoreingenommenen Betrachtung. Sind wirklich alle unsere Gemeinden in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen, die aus unserer Kirchenverfassung hervorgehen? Es lohnt sich, das an der Praxis vor Ort zu prüfen. Nicht umsonst bestimmt ja unsere EKM-Verfassung (Artikel 21):
Die Kirchengemeinde nimmt den Auftrag der Kirche gemäß Artikel 2 in ihrem Bereich im Rahmen der kirchlichen Ordnung in eigener Verantwortung wahr. Sie wendet sich in Zeugnis und Dienst allen Menschen an ihrem Ort zu…. Die Kirchengemeinde soll so geordnet sein, dass sie kirchliche Gemeinschaft ermöglicht und dass sie ihre Aufgaben auch unter sich verändernden Bedingungen erfüllen kann. Dazu können Kirchengemeinden auf Antrag der Gemeindekirchenräte oder auf Vorschlag des Kreiskirchenrates neu gebildet, verändert, aufgehoben oder zu Kirchengemeindeverbänden zusammengeschlossen werden.
Ich will hier keineswegs Großgemeinden das Wort reden. Ich sehe aber, dass das Finanzgesetz die Vorgabe der Verfassung ernst nimmt. Es sollte kein Tabu sein, in einzelnen Bereichen unseres Kirchenkreises zumindest über Kirchgemeindeverbände nachzudenken, die eben auch finanziell und strukturell enorme Vorteile gegenüber sehr kleinen Einzelgemeinden bringen können. Um die Identität unserer gewachsenen Gemeinden fürchte ich deshalb noch lange nicht. In der Treue zu Wort und Sakrament und im Zeugnis des Evangeliums für die Menschen kann jede Gemeinde sich profilieren und gegenüber anderen hervorheben.
Einige konkrete Punkte des Finanzgesetzes stehen heute hier zur Diskussion. Ich will deshalb nur kurz andeuten, in welche Richtung sich derzeit Entwicklungen abzeichnen bzw. wo noch Entscheidungsbedarf besteht: In der Frage eines Kreiskirchenamtes sind die bisherigen 6 Kirchenkreise des Süd-Bereiches entschlossen, auf dem Wege eines Zweckverbandes ein gemeinsames Amt in Meiningen zu unterhalten. Dessen Außenstelle (BUKAST) in Bad Salzungen bedarf allerdings nach meiner Ansicht einer deutlichen Aufwertung.
Nach anfänglicher Zurückhaltung scheint sich bei der Verwaltung des Baulastfonds nun doch eher eine gemeinsame Lösung abzuzeichnen, die von vier Kirchenkreisen getragen wird.
Für die künftige Organisation der Kirchenkreis-Sozialarbeit (Kreisstelle für Diakonie) verhandelt der Kirchenkreis derzeit gemeinsam mit Eisenach und Meiningen mit der DIAKO Westthüringen GmbH über eine tragfähige Lösung. Ein entsprechender Vertrags-Entwurf wird Ihnen heute vorgelegt.
Das neue Finanzsystem bringt zunächst für uns im Kirchenkreis eine Mehrarbeit mit sich. Ich möchte deshalb an dieser Stelle schon dem Haushaltsausschuss und den Mitarbeiterinnen der BUKAST herzlich danken, dass sie sich dieser Herausforderung stellen.
4.
Im April dieses Jahres habe ich mit den Mitarbeitenden-Jahresgesprächen (MJG) begonnen. Im Frühjahr 2012 werde ich damit alle Mitarbeiter im Verkündigungsdienst erreicht haben. Ich habe die MJG inzwischen als ein sehr hilfreiches Instrument schätzen gelernt, das mir die konkrete Situation jedes Mitarbeitenden noch einmal näher bringt. Geht es in diesem ersten Durchgang noch vorrangig um ein besseres Kennenlernen, so wird der nächste sich mehr den Entwicklungs-Möglichkeiten im Dienst der jeweiligen Person widmen.
Für die strategischen Überlegungen im Kirchenkreis und das Bedenken grundsätzlicher Fragen habe ich auf Anregung unserer Referenten ein „Frühstück beim Sup“ ins Leben gerufen, zu dem sich meine Stellvertreter und die drei Referenten für Kirchenmusik, Jugendarbeit und Katechetik vierteljährlich treffen. So können wir längerfristige Ziele im Auge behalten und Entwicklungen im Kirchenkreis miteinander beraten.
Die Reihe der Abendgottesdienste im Sommer, in diesem Jahr zum zweiten Mal angeboten, entwickelt sich zu einer guten Tradition. Ich möchte gern daran festhalten. Schön, dass es bisher genügend Gastgeber-Gemeinden gab, und auch genügend Mitgestalter der einzelnen Gottesdienste! Die Resonanz für dieses Projekt im gesamten Kirchenkreis ist freilich noch ausbaufähig. Aber nach meinem Eindruck tut es uns sehr gut, als Kontrapunkt und Ergänzung zum gottesdienstlichen Alltag diese besonderen Abende zu pflegen, bei denen auch einmal Neues ausprobiert werden darf. Für 2012 werden wieder Gastgeber und Mitstreiter gesucht.
Das Kindercamp (Wiesenthal) und die Schloss-Nacht (Gehaus) haben sich für unsere Kinder und Jugendlichen als echte Höhepunkte erwiesen. Mit vielen Ideen und großem Einsatz haben in beiden Fällen unsere Mitarbeiter ein schönes Angebot für die jeweilige Zielgruppe geschaffen. Allen Beteiligten um J.Markert, E.M.Brüderle und T.Göhring dafür herzlichen Dank!
Bei zwei Veranstaltungen in Möhra galt es aus meiner Sicht, eine Gratwanderung zu wagen: Die mit großem Medieninteresse transportierte Eröffnung des Lutherweges von Möhra zur Wartburg (4.Mai) und auch das Fest „150 Jahre Lutherdenkmal“ (25.Juni) bewegten sich im Spannungsfeld zwischen touristischem Event und Verkündigungs-Gelegenheit. Beides ist unterschiedlich gut gelungen. Die großartige Schriftauslegung unserer Landesbischöfin zu den Emmaus-Jüngern war der stärkste Beitrag am 4.Mai. Am 25.Juni allerdings drohte meine Predigt („Das Letzte, was Luther gewollt hätte, wäre ein Denkmal für ihn selbst gewesen“) im allgemeinen Dorffesttrubel zu verhallen. Bei ähnlichen Anlässen - gerade im Blick auf das nahende Reformations-Jubiläum - wird auch in Zukunft viel Fingerspitzengefühl gefragt sein, um die Chancen und Risiken weise abzuwägen.
Diakonie- und Caritas-Tag (3.9. in Bad Salzungen) und Lektorentag (10.September in Dermbach) haben dem Leben des Kirchenkreises besondere Impulse verliehen. Ich danke herzlich dem Diakonieauschuss mit Pfarrer Lakemann für die Vorbereitung des Tages und das anschauliche Präsentieren unserer diakonischen Aktivitäten. Die Verknüpfung mit dem 20-jährigen Jubiläum der ökumenischen Kindertagesstätte in Bad Salzungen hat sich aus meiner Sicht als bereichernd erwiesen. Bei allem Engagement der Beteiligten war leider die Beteiligung aus dem Kirchenkreis gering. Deshalb sollten wir in der Auswertung neu über diese Projektform nachdenken.
Ebenso herzlichen Dank dem Vorbereitungsteam für den Lektorentag (Ehepaar Borm, L.Ophagen, F.Bregas, G.Kotsch) für das sachkundige und engagierte Mitgestalten! Dieser Tag hat uns allen Freude gemacht und uns ermutigt, die Lektorenzurüstung kontinuierlich auszubauen. Der Termin für den nächsten Lektorentag ist schon vereinbart: Sonnabend, 17. März 2012.
Die Visitation 2011 hat in Schwallungen stattgefunden. Meinen Bericht darüber können Sie über die Mitglieder des Kreiskirchenrates einsehen. Für die nächsten Jahre werden wir weiter solche Gemeinden auswählen, in denen in den letzten 30 Jahren noch nie eine Visitation war. Es dürfen sich aber auch Gemeinden melden, die gern visitiert werden möchten.
Nicht zufrieden bin ich nach wie vor mit unserer Internet-Präsenz. Das betrifft sowohl den Auftritt unseres Kirchenkreises als auch die einzelnen Seiten der Gemeinden. Immer wieder werde ich mit Beschwerden konfrontiert, dass Termine völlig veraltet und aktuelle Informationen nicht zu finden sind. Wir sollten das Bedürfnis vor allem jüngerer Menschen nicht unterschätzen, verlässliche und gut gepflegte Infos zu unserem kirchlichen Leben online zu finden. Oft gibt es in unseren Gemeinden junge Leute, die viel besser als wir „Alten“ (dazu zähle ich jetzt mal uns Pfarrer und auch unsere Verwaltungs-Mitarbeiterinnen) das web-Handwerk beherrschen und für diesen wichtigen Dienst gewonnen werden könnten.
5.
Lassen Sie mich noch zwei Beobachtung geistlicher Art anfügen: Bei vielen Abendmahlsfeiern im Kirchenkreis erlebe ich, dass die Praxis der Intinctio (Eintauchen des Brotes) überhand nimmt. Nach meiner Überzeugung und auch nach Auffassung unserer Lutherischen Kirchenfamilie kann die Intinctio als gut begründete Ausnahme dann und wann in Frage kommen. Wenn sie aber zur Regel zu werden droht, steht mehr als nur eine Äußerlichkeit auf dem Spiel. Die Einsetzungsworte unseres Herrn enthalten das Tätigkeitswort „trinkt!“. Und unsere Väter und Mütter im Glauben sind für ihre Überzeugung in den Tod gegangen, dass das Trinken aus dem Kelch für die Gemeinde unverzichtbar ist, um das Mahl einsetzungsgemäß zu feiern! Wir sollten uns hüten, an dieser Stelle leichtfertig reformatorische Überzeugungen aufs Spiel zu setzen. Nur mit dem Hinweis auf heutiges Hygienebedürfnis ist es dabei längst nicht getan. Wir müssen dieses Thema gründlich bedenken und in den Gemeinden kommunizieren. Sie dürfen mich dazu gern in Ihre Gemeinde einladen.
Zunehmend entstehen in unseren Gemeinden Debatten über den Konfirmationstermin, genauer um den Zeitpunkt des Konfirmations-Gottesdienstes. Hier sollten die GKR gut überlegen, an welcher Stelle sich Fronten aufzubauen lohnen. Meiner Ansicht nach müssen wir nicht auf unverrückbare Traditionen pochen, wenn es um die Frage von vor- oder nachmittags geht. Eine klare Grenze ist allerdings dann überschritten, wenn – wie schon geschehen – der Sonnabend in den Blick genommen wird. Hier muss ganz klar sein: der Sonntag steht als Auferstehungstag und als heiliger Tag der Christenheit nicht zur Disposition! Denn in der Feier des Sonntags sind wir in ökumenischer Weite mit allen Gemeinden verbunden.
6.
Am Ende möchte ich Sie noch zum Singen einladen, damit der Schlusston dem Lob Gottes vorbehalten bleibt. Anleiten lassen wir uns dazu von einem evangelischen Glaubenszeugen, der in diesem Monat einen Gedenktag verdient. Cornelius Becker (* 24.10.1561) hat sämtliche Psalmen in deutsche Verse übertragen und ihnen Melodien aus dem lutherischen Liederschatz zugegeben. So konnte sich die Gottesdienstgemeinde die ganze Fülle der Psalmendichtung in bekannten Gesängen aneignen. Sie kennen gewiss einige seiner Lieder, die in unserem EG vertreten sind: „Nun jauchzt dem Herren alle Welt“ (Psalm 100) oder „Wohl denen, die da wandeln“ (Psalm 119, hat im Original noch viel mehr Strophen). Becker war ein Meister der einfachen und zu Herzen gehenden Sprache. Einer, der um die Bedeutung des „heute“ und „jetzt“ für Gottes Wort im Gottesdienst wusste. Folgen wir ihm mit einer Strophe eines seiner unbekannten Lieder zu Psalm 2 (Melodie „Es ist das Heil uns kommen her“)
Ich hab, spricht Gott, mein lieben Sohn
zum Erbkönig erwählet,
die Kirch, das königlich Zion,
auf seinen Dienst bestellet,
durchs Wort er wohl regieren soll,
Sein Reich anrichten überall
und predig’n meinen Namen.
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