Evangelisch - Lutherische Superintendentur Bad Salzungen - Dermbach

350 Jahre Superintendentur Bad Salzungen im Jahr 2007
Aus der Geschichte der Superintendentur Bad Salzungen von Werner Schneyer
Neben dem Pfarramt mit seinen Mitarbeitern gehört das Amt des Superintendenten zu einem der wichtigsten Ämter unserer Kirche — wenn auch die Übersetzung des lateinischen Wortes nur “Oberaufseher“ heißt. So wie ein lebendiger Glaube des Mitchristen bedarf, benötigen auch die Kirchgemeinden untereinander Gemeinschaft und Förderung. Der Superintendent hat hier seine Aufgabe und ist zu gleich das Verbindungsglied zur Leitung der Gesamtkirche. Er nimmt in deren Auftrag das Aufsichtsrecht wahr. Dieses Amt lässt sich bis in die Reformationszeit zurückverfolgen.
In einem Briefverkehr mit dem Kurfürsten Johann wies Martin Luther im Jahr 1525 nach dem Bauernkrieg darauf hin, dass eine Visitation aller Pfarreien nötig sei, um die Einkünfte der Pfarrer zu ordnen und ihnen Anweisungen über ihre Amtsführung zu geben. Auch andere Reformatoren äußerten sich ähnlich. Der erste evangelische Pfarrer von Eisenach, Dr. Jakob Strauß hatte schon Monate vorher Visitationen mit Genehmigung des Kurfürsten in der Umgebung der Stadt angefangen. Ein Besuch in Salzungen kam durch die Kriegsereignisse wohl nicht mehr zustande. Als Mitarbeiter waren der Vikar Georg Witzel aus Vacha und Burkhard Hund von Wenckheim vom Altenstein, der auch bei der Gefangennahme Luthers im Glasbachgrund beteiligt war, vorgesehen. Die Einführung der Reformation in Salzungen geschah 1524 unter dem Pfarrer Johannes Carl alias von Oppenheim. Die erste Kirchenvisitation wurde 1528 hier durchgeführt.
Ab 1526 hatte der Kurfürst mehrere Visitationskommissionen ernannt, die in der Regel aus 4 Mitgliedern bestanden — geistliche und weltliche Personen. Es ging um folgende Anliegen: Evangeliumsgemäße Predigt, neue Gottesdienstordnung, Lebensführung des Pfarrers, wirtschaftliche Absicherung der kirchlichen Arbeit und Einrichtung von Schulen. Melanchthon, dessen 500. Geburtstag wir im Jahr 1997 begingen, hat die Erfahrungen aus den ersten Visitationen als der bedeutendste Mitarbeiter Luthers in der Abhandlung “Unterricht der Visitatoren“ im Jahr 1528 zusammengefasst. Aus diesen Visitationen erwuchs als ständige Einrichtung das Amt des Superintendenten. Die Erkenntnis hatte sich durchgesetzt, Erneuerung der Kirche kommt wohl von innen — vom Evangelium her —‚ aber sie hat auch übergemeindliche Organisation und Leitung nötig.
Noch einige Jahre ging die Arbeit der Visitationskommissionen weiter, so 1533 und 1536 in Salzungen unter Menius und Myconius, den Superintendenten von Eisenach und Gotha. Salzungen gehörte zu Eisenach, eine der ab 1529 im ernestineschen Sachsen bis hin nach Altenburg und Coburg geschaffenen 12 Superintendenturen. Wenige Jahrzehnte später richteten die Herzogtümer Kirchenministerien – Konsistorien - ein und schufen das Amt des Generalsuperintendenten. In Thüringen finden wir 1569 in Jena das erste Konsistorium.
1578 ist in Coburg der Generalsuperintendent Mörlin nachzuweisen und damit ein eigenes Konsistorium, das auch für den Bereich Eisenach zuständig war.
Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts wurde Eisenach selbständig. Der Salzunger Jacob Reichardt hatte dieses Amt des Generalsuperintendenten ab 1697 in Meiningen übernommen.
Durch die Einrichtung von Konsistorien wurde die Superintendentur - Diözese, Inspektion, Ephorie, Kirchenkreis — eine mittlere Kirchenbehörde.
In Salzungen richtete man innerhalb der Superintendentur Eisenach im Jahr 1605 einen kleineren Visitationsbezirk unter Leitung des Adjunkten Joh. Christian Fulda ein. Dieser wurde am 24.10.1657 unter Balthasar Christian Bechmann selbständige Superintendentur. Zu ihr gehörten die Dörfer bis Dorndorf, und ihr unterstand die Adjunktur Tiefenort mit den Pfarrämtern des Amtes Altenstein und Oberellen. Oberellen blieb bis etwa 1926 bei Salzungen. Es gehörte damals, unter dem Patronatsherrn von Hanstein zu Sachsen-Gotha und später zu Sachsen-Meiningen.
In Salzungen wurde an der Nordseite des Kirchplatzes 1670 ein Superintendenturgebäude errichtet. Bei der Ausschachtung fand man Urnengräber, die auf eine heidnische Kultstätte hindeuten. In einem alten Inventarverzeichnis der Stadt wird 1880 der Wohnsitz des Superintendenten am Entleich aufgeführt. Wahrscheinlich wurde beim großen Stadtbrand 1786 der erste Wohnsitz zerstört und ein Umzug an den Entleich vorgenommen. 1900 begann der Bau eines neuen Gebäudes in der Pestalozzistr. 16. Seit 1926 wohnt der Superintendent wieder am Entleich 4.
Ab 1680 gehörte unsere Superintendentur zum neugegründeten Herzogtum Meiningen - damit nach Südthüringen. Schon 1672 kamen Tiefenort und Dorndorf zum Herzogtum Sachsen — Weimar, lösten sich von Salzungen und bildeten zusammen mit Ettenhausen eine selbständige Adjunktur. Im Jahr 1816 wurde die ehemals hessische Superintendentur Vacha thüringisch. Vermutlich wegen der reformierten Tendenzen geschah aber erst im Jahr 1879 eine Vereinigung mit den lutherischen Pfarrämtern um den Krayenberg. Allerdings war damals auch das Justizamt Tiefenort aufgelöst und dem Amtsgericht Vacha angegliedert worden. In dieser Zeit wurden die Pfarrämter Frauensee, Gospenroda und die Gemeinde Dippach Teile der Superintendentur Gerstungen, die ab 1810 nachweisbar und wohl schon Jahre vorher bestand. Ettenhausen finden wir in der Superintendentur Creuzburg wieder, die im November 1744 ihren Anfang nahm und später in der Thüringer evangelischen Kirche Eisenach-Land hieß. Ettenhausen hatte zeitweise Burkhardtroda als Filiale und wurde Mitte der zwanziger Jahre Salzungen als Tochtergemeinde von Möhra angeschlossen.
Im Jahr 1924 geschah die Eingliederung von Gerstungen in Vacha und nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Frauensee in Eisenach. 1971 erhielt dieser Kirchenkreis wieder die Selbständigkeit. Bei der Auflösung der Superintendentur Vacha im Jahr 1996 kehrten die Pfarrämter um den Krayenberg nach Salzungen zurück, auch Frauensee wurde angeschlossen. Eine Erweiterung nach Süden geschah 1829 mit der Übernahme der ehemaligen Adjunktur Breitungen mit Wernshausen.
Mit der Bildung der Thüringer evangelischen Kirche im Jahr 1921 wurde die Amtsbezeichnung “Superintendent‘ aufgegeben und durch „Oberpfarrer“ ersetzt. Die Leitung der Kirche lag anstelle der staatlichen Konsistorien in den Händen von Landesoberpfarrer, Landeskirchenrat und Landeskirchentag - später als Synode bezeichnet -. Die Kirchenleitung berief Kirchenrat Paul Köhler zum Mitglied im Landeskirchenrat mit dem Wohnsitz in Weimar. Vorher war er als Salzunger Superintendent auch als geistlicher Rat im Konsistorium Meiningen tätig. Ab 1922 betreute in Vertretung Max Claus das Oberpfarramt. Erst 1926 wurde er offiziell eingeführt.
Seit 1944 gibt es in unserer Landeskirche wieder die Bezeichnung: „Superintendent“. Bei der damaligen Aufzählung der zugehörigen Pfarrämter finden wir bei Salzungen auch Roßdorf und Schwallungen. Sie waren Jahrhunderte Teile des ehemaligen Kirchenkreises Wasungen, der 1924 aufgelöst wurde. Danach gehörten sie 20 Jahre zu Dermbach bzw. Meiningen. Auch Zillbach gliederte man 1944 in Salzungen ein. Die vorhergehende Zugehörigkeit bis 1926 zur ehemaligen Superintendentur Kaltennordheim — danach war es Teil von Meiningen — hängt mit der Aufteilung des Henneberger Erbes in den Jahren 1660/61 zusammen. Sachsen-Weimar übernahm die Ämter Ilmenau und Kaltennordheim. Der Herzog beanspruchte aber auch Zillbach mit den umliegenden ausgedehnten Waldgebieten. So konnte Heinrich Cotta von 1788 bis 1811 dort eine Forstschule unterhalten, die in der Forstakademie Tharandt ihre Fortsetzung fand.
Um das lutherische Erbe stärker zu betonen, nennt sich unsere Thüringer evangelische Kirche seit 1948 „Kirche in Thüringen“. 1947 wurde mit Dr. Moritz Mitzenheim der erste Landesbischof nach der Reformationszeit von der Synode gewählt.
Von 1951 - 1962 verwaltete Superintendent Heim von Bad Liebenstein aus die Superintendentur Bad Salzungen.
Im Laufe der jüngeren Geschichte der Superintendentur erhielten als Kurort Bad Liebenstein 1906 und im Blick auf die damals größte Kalifabrik der Welt in Merkers — Kieselbach 1925 ein eigenes Pfarramt. Neue Kirchen wurden 1927 in Leimbach, 1929 in Merkers, 1955 in Meimers und 1992 in Völkershausen gebaut.
Die Landeskirche beschloss in den zwanziger Jahren die Auflösung der Pfarrämter Ettenhausen, Rosa und Witzelroda. Anfang 1996 erfolgte die Eingliederung von Zillbach in die Nachbarpfarrämter.
Inzwischen ist Pfarrer Andreas Müller der 24. Superintendent in Bad Salzungen.
© Superintendent Werner Schneyer — Erster Ehrenbürger der Stadt Bad Salzungen (1990)
*13.05.1928 in Kieselbach + 11.08.1999 in Bad Salzungen
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Seit dem 1. Juli 2004 bilden die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen und die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen die Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland.
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